Indestraße: Große Mehrheit für den Rückbau auf zwei Fahrspuren

    Autor: Jo

    Was die Grünen seit Jahrzehnten fordern, kommt nun endlich in Gang: Die „Stadtautobahn“ soll in der Innenstadt zu Gunsten von Fußgänger*innen und Radfahrer*innen umgebaut werden.

    Beitrag vom: 05.03.2021

     

    Es ist eine der ältesten Forderungen der Eschweiler Grünen überhaupt: Seit mehr als 30 Jahren sprechen wir uns dafür aus, die vier- bis fünfspurige Indestraße zumindest im unmittelbaren Innenstadtbereich so umzubauen, dass sich Fußgänger*innen und Radfahrer*innen dort gut und sicher bewegen können. Lange haben die Bedenkenträger in Rat und Verwaltung die Oberhand behalten, doch jetzt dreht sich der Wind: Mit großer Mehrheit fällte der Planungs-, Umwelt- und Bauausschuss in seiner Sitzung am 4. März die lange ersehnte Grundsatzentscheidung, die Indestraße zwischen Kochsgasse und Bergrather Straße auf zwei Kfz-Fahrspuren (plus Abbiegespuren) zurückzubauen.

    Mehr Raum für die Menschen
    „Wir werden durch den Umbau wertvollen Platz im Herzen der Stadt hinzugewinnen – für Radler und Fußgänger, für mehr Grün, für mehr Aufenthaltsqualität, für eine erlebbare Inde, für eine bessere Verbindung von südlicher und nördlicher Innenstadt, für die Verkehrswende, für einen insgesamt attraktiveren Stadtkern“, freut sich Fraktionssprecher Dietmar Widell über die von den Grünen, der SPD und der CDU gemeinsam herbeigeführten Entscheidung (FDP und Basis enthielten sich; der AfD-Vertreter stimmte dagagen).
    In den vergangenen Wochen war das Thema in den politischen Gremien intensiv diskutiert worden. Die Grundlage lieferten zwei Fachgutachten, die zum Ergebnis kommen, dass der Rückbau möglich ist, ohne dass der Verkehr in der Innenstadt zum Erliegen kommt. Die Gutachter rechnen unter anderem damit, dass bei nur noch zwei zur Verfügung stehenden Spuren insgesamt weniger Autofahrer*innnen auf der Indestraße unterwegs sein und dass sie stattdessen beispielsweise die Tal- oder die Gartenstraße als Ausweichrouten für bestimmte Strecken nutzen werden. Der dort auftretende Zusatzverkehr sei aber zu verkraften.
    Ein Aachener Planungsbüro hat auch schon einen Entwurf erstellt, wie die neue Indestraße in einigen Jahren aussehen könnte. Angeregt wird grob gesagt, den motorisierten Verkehr für beide Fahrtrichtungen auf die jetzigen beiden nördlichen Fahrspuren (auf der Rathausseite) zu verlegen. Die beiden südlichen Spuren (Indeseite) fallen für die Kraftfahrer*innen weg, so dass insgesamt viel Raum für eine zeitgemäße Neugestaltung moderner Rad- und Fußwege und für mehr Grün gewonnen wird.
    „Die Indestraße in ihrer jetzigen Form stammt aus den 1970er-Jahren und ist dem Wunsch nach einer autogerechten Innenstadt entsprungen. Heute denken wir anders: Wir wollen eine menschengerechte Innenstadt, in der die Fußgänger und Radfahrer nicht länger an den Rand gedrängt werden und um ihre Sicherheit fürchten müssen“, erklärt Dietmar Widell und führt als Beispiel die jetzigen Radspuren an: Gerade mal einen halben Meter breit sind die nur durch gestrichelte Linien von den Autofahrbahnen abgetrennten Wege, und sie führen über Kanaldeckel und Rinnsteine. Geplant sind nun mindestens doppelt so breite, durch zusätzliche Sicherheitsstreifen von der Fahrbahn getrennte Radwege.

    Mosaikstein für Verkehrswende
    Widell betont, dass dem Grundsatzbeschluss für den Rückbau noch keine konkreten Detailplanungen zu Grunde liegt und dass jetzt auch nicht kurzfristig die Bagger anrollen werden. „Wir haben aber endlich den Einstieg ins Planungsverfahren gefunden, so dass die Verwaltung mit einem politischen Auftrag in die weitere Abstimmung mit den übergeordneten Behörden gehen und beispielsweise Fördermittel beantragen kann.“ Parallel dazu sollen weitere Untersuchungen zur Optimierung der gesamten innerstädtischen Verkehrsführung gestartet werden.
    Die Grünen betrachten den Rückbau der Indestraße nicht als isolierte Maßnahme, sondern als einen von vielen Mosaiksteinen im Rahmen einer menschen- und klimagerechten Verkehrswende in Eschweiler. Gebraucht werden mehr und bessere Fahrradparkplätze sowie mehr E-Bike- und E-Auto-Ladestationen. Dazu gehören aber auch die Förderung und der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs: „Das Busfahren muss in unserer Stadt noch preiswerter und durch Linien- und Taktoptimierung attraktiver werden“, so Widell, „nachdem unlängst bereits das 1,80-City-Ticket für eine innerstädtische Fahrt eingeführt wurde, peilen wir zumindest mittelfristig ein Ein-Euro-Tagesticket an.“
    Auch sei der Rückbau der Indestraße nur eine von vielen Maßnahme des großen Plans, die nördliche und die südliche Innenstadt wieder zusammenwachsen zu lassen. Ein Planungsbüro hat hier bereits einige Ideen unter dem Motto „Erlebbare Inde“ entwickelt. Aber auch hier sei die Ideenfindung längst nicht abgeschlossen. Widell: „Die Vorschläge des Citymanagements werden ebenso Eingang in die Diskussion und das weitere Verfahren finden wie hoffentlich weiterhin zahlreich eingehende Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern.“

    Ein Archivfoto aus alten Zeiten: Schon im Juli 1983
    demonstrierten die Grünen für Radwege entlang
    der Indestraße.
      


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