Rassistische Äußerungen aus dem engsten Umfeld der Wählergruppe "Basis"

    Die Grünen fordern, dass der bekannten und aufs Engste mit der Wählergruppe "Basis" verbundenen Eschweiler Bürgerin Brigitte Averdung-Häfner der Europäische Sozialpreis aberkannt werden möge - wegen rassisistischer und islamfeindlicher Äußerungen in einem Youtube-Podcast zum "Thema Kopftuch".

    Beitrag vom: 11.09.2020

     

    Namhafte Festrednerinnen und Festredner überschlugen sich vor Lob, als Brigitte Averdung-Häfner am 3. Oktober 2016 im Ratssaal feierlich mit dem renommierten Europäischen Sozialpreis ausgezeichnet wurde. Insbesondere das ehrenamtliche Engagement der stadtbekannten Fotografin und Gründerin der „Sensibilisierungs- und Aufräumtruppe“ in der Flüchtlingshilfe wurde damals gewürdigt. Nun fordern die Grünen, ihr den Preis wieder abzuerkennen – wegen „rassistischer und islamfeindlicher Äußerungen“, die Averdung-Häfner in Leserbriefen lokal und über den Internet-Videokanal Youtube weltweit verbreite.
    Es geht insbesondere um den „Podcast 4“ des „Sensibilisierungs-Zirkels“. Diese Audio-Datei hat  Averdung-Häfner selbst vor einigen Monaten ins Netz gestellt. Dort diskutiert die Preisträgerin mit vier Mitstreitern – darunter ihr Ehemann und Bürgermeister-Kandidat Christoph Häfner und weitere Stadtratskandidaten der unmittelbar aus Averdung-Häfners Sensibilisierungstruppe hervorgegangenen Wählergruppe „Basis“ – über das „Thema Kopftuch“.
    Averdung-Häfner schlägt in der Tat ganz harte Töne an. Wörtlich sagt sie über Musliminnen, Muslime und Trägerinnen des muslimischen Kopftuchs unter anderem: „Für mich ist man radikal, wenn man Kopftuch trägt.“ „Das sind für mich alles Rassisten, die Kopftuch tragen“. „Für mich ist ein Kopftuch genau das gleiche wie ein Hakenkreuz.“ „Ich persönlich setze mich nicht an einen Tisch, wo ein Mann sitzt mit einer Frau im Kopftuch.“ „Unsere Freiheit wird durch das Kopftuch zerstört.“ „Ich gehe jedenfalls in kein Schwimmbad, wo Kopftücher rumlaufen.“ „Mit denen will ich nichts zu tun haben und werfe denen im Geiste einen Stein an den Kopf.“

    Den ganzen Podcast findet man hier
    (jetzt leider nicht mehr; das Video wurde
    am Freitagmittag, 11.09., vom Uploader
    entfernt, meldet Youtube. Ebenso wie zahlreiche
    kritische, aber sachliche Kommentare
    auf der "Basis"-Facebook-Seite. Die ach so groß
    geschriebene Meinungsfreiheit gilt für "Basis"-Kritiker
    wohl doch nicht...)

    Noch Mitte dieser Woche hatte sich Averdung zudem in einem Leserbrief zu Wort gemeldet, in dem sie unter anderen wörtlich einen „Zusammenhang von Schächten und dem leichtfertigen Umgang mit Messern“ herstellt und sich über den „beängstigend in fremder Sprache durch Eschweiler schallenden“ islamischen Gebetsruf  beschwert. Bereits seit sieben Jahren erklingen diese Rufe einmal wöchentlich aus dem muslimischen Gemeindehaus am Markt – stets freitagmittags für wenige Minuten in moderater Lautstärke, und dies mit einhelliger Zustimmung des Eschweiler Stadtrates.
    „Viel beängstigender als der Muezzinruf sind Averdung-Häfners pauschale Äußerungen über Musliminnen und Muslime. Wir Grüne sind entsetzt über so viel Feindseligkeit, so viel Intoleranz, so viel blinde Wut. Man kann es nicht anders sagen: Die Äußerungen sind rassistisch und extrem islamfeindlich“, meint die grüne Ortsverbandsvorsitzende Gaby Pieta fassungslos. Ratsfraktionssprecher Dietmar Widell ergänzt, dass die Zitate keineswegs aus dem Zusammenhang gerissen oder nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen worden seien: „Diese unerträgliche Hetze zieht sich durch die gesamte 63-minütige Diskussionsrunde. Und Averdung-Häfner hat die Datei anschließend ja selber ins Netz gestellt. Ist das Naivität, ist das Dummheit? Merkt sie selber vielleicht gar nicht, dass sie selbst die AfD rechts überholt? Oder sagt sie das alles aus innerer Überzeugung?“
    Erschreckend finden die Grünen auch, dass Averdung-Häfner kaum entschiedenen Widerspruch von ihren vier Gesprächspartner ernte, sondern eher Verständnis und teilweise Zustimmung auch von ihrem Ehemann Christoph Häfner. Widell: „Seine Ehefrau hat ihn nach Häfners eigenen Worten ja erst auf die Idee zur Bürgermeister-Kandidatur gebracht. So war es jedenfalls wörtlich in der Zeitung zu lesen. Da fragt man sich bange, auf welche Ideen sie ihn noch bringen wird, wenn er erst im Stadtrat sitzt oder gar Bürgermeister wird.“
    Ratsmitglied Franz-Dieter Pieta, der die Grünen im Integrationsrat vertritt, findet die Äußerungen „unerträglich“ und blickt besorgt nach vorn: „Ich bin bespannt, wie die "Basis", wenn sie in den Rat kommt, mit dem Integrationsrat umgehen wird. Dort versuchen alle Mitglieder erfolgreich den friedlichen und verständnisvollen Umgang mit ausländischen Bürgerinnen und Bürgern unabhängig von Herkunft und Weltanschauung zu fördern.“
    Die Briefwähler könnten leider nicht mehr reagieren. Aber andere Sympathisanten und Sympathisanten der Basis sollten ihr Wahlverhalten überdenken, so Dietmar Widell: „Averdung-Häfner kandidiert zwar nicht selbst für den Rat, aber ihre Sensibilisierungstruppe ist aufs Engste mit der Wählergruppe Basis verknüpft. Und diese Gruppe hat sich bisher in keiner Weise von diesen rechtslastigen Auffassungen distanziert, sondern sie mit Verweis auf der Recht der freien Meinungsäußerung sogar verteidigt. Unserer Ansicht nach wurden die Grenzen des Rechts auf freie Meinungsäußerung jedoch deutlich überschritten.“
    Als erste Konsequenz haben sich die Grünen an Peter Schöner, den Vorsitzenden des Europavereins, gewendet. In dem Brief bitten sie den Vorstand, ernsthaft zu prüfen, ob eine so offen islamfeindliche Preisträgerin weiterhin in einer Reihe mit Persönlichkeiten wie Rupert Neudeck, Deniz Yücel oder Peter Borsdorff stehe sollte. „Um Schaden für die Reputation Ihres Vereins und Ihres Europa-Preises abzuwenden, halten wir Grüne es für dringend geboten, dass Ihr Vorstand ernsthaft darüber nachdenkt, Frau Averdung-Häfner die Auszeichnung nachträglich wieder abzuerkennen und dies auch öffentlich bekanntzugeben“, schreiben die Grünen.

    Unser aktueller Brief an den Europaverein: hier


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