Rathaus-Quartier: Grüne fordern Verkehrsgutachten und nachhaltige Planung

    Beitrag vom: 12.10.2018

     

    Der Antrag der Ratsfraktion

    Während man anderswo händeringend versucht, den Autoverkehr in den Innenstädten zu reduzieren, bahnt sich in Eschweiler das genaue Gegenteil an. „Aldi, Netto und Edeka als große Ankermieter im geplanten Rathaus-Quartier sind Filialisten, der erfahrungsgemäß besonders viel Pkw- und Zulieferverkehr anziehen. Sich solche Kfz-Magneten ins Herz der City zu holen und weite Teile eines innerstädtischen Filetgrundstücks in einen Großparkplatz ohne jegliche Aufenthaltsqualität zu verwandeln, hat mit nachhaltiger Stadtplanung nicht viel zu tun“, sagt Grünen-Fraktionssprecher Dietmar Widell und gibt zu bedenken, dass das Gebiet wegen seiner hohen Luftbelastung bereits jetzt Teil der innerstädtischen Umweltzone ist.

    In einem Antrag an den Planungsausschuss fordern die Grünen die Stadt deshalb auf, ein unabhängiges Verkehrsgutachten einzuholen, bevor der als Investorin und Bauherrin agierenden Ten-Brinke-Gruppe Baugenehmigungen erteilt werden. Geklärt werden soll vor allem, ob die Wollenweberstraße und die Peilsgasse, über die die Verkehrserschließung des neuen Quartiers erfolgen soll, den zusätzlichen Autoverkehr überhaupt verkraften würden und ob das Vorhaben mit übergeordneten stadtplanerischen Zielsetzungen in Einklang zu bringen ist.

    „Ein zentraler Bestandteil im neuen Handlungskonzept für das Stadtzentrum, für das sich die Stadt Fördergelder in Millionenhöhe erhofft, ist der von den Grünen seit langem geforderte Rückbau der Indestraße auf zwei Fahrspuren. Das Gutachten soll ermitteln, ob dieses Ziel überhaupt umsetzbar ist, wenn man an gleicher Stelle ein neues Einkaufszentrum plant, das für massives zusätzliches Verkehrsaufkommen sorgen wird“, erklärt Widell. Dass hinter dem Rathaus praktisch jeder nach der Bebauung freibleibende Quadratmeter für 160 oberirdische Parkplätze gedacht sei und dass man dazu noch rund 300 Tiefgaragenstellplätze plane, zeige, dass auch die Investoren selbst mit reichlich Zusatzverkehr rechnen.

    Sorge bereitet den Grünen vor allem die Wollenweberstraße. Über diese enge Straße soll die komplette Zu- und Abfahrt für die oberirdischen Stellplätze abgewickelt werden. Die Fraktion befürchtet eine Überlastung der Straße und sieht Kapazitätsprobleme an der Einmündung Wollenweberstraße/Indestraße sowie auch an der Kreuzung Indestraße/Peilsgasse/Bergrather Straße.

    Damit nicht genug: „Bildet sich in Stoßzeiten wegen des vom neuen Rathaus-Parkplatz abfließenden Verkehrs ein Rückstau auf der Wollenweberstraße, würde die verkehrsberuhigte Marktstraße sicher schnell als Ausweichroute entdeckt werden. Unsere Forderung, den Markt für den motorisierten Verkehr zu sperren, wird damit aktueller denn je“, so Widell.

    Auch das Parkkonzept, wie es die Investoren in der jüngsten Planungsausschusssitzung vorgestellt haben, sagt den Grünen nicht zu. Denn es war wörtlich davon die Rede, dass nach Ablauf von 90 kostenlosen Minuten auf dem oberirdischen Parkdeck gleich „Knöllchen verteilt“ werden sollen. Dietmar Widell: „Parken, bei Aldi, Edeka, Netto & Co. einkaufen und dann schnell wieder wegfahren, lautet offenbar die Devise. 90 Minuten reichen nicht, um den Besuch des Rathaus-Quartiers mit einem Bummel über den Markt oder einem Abstecher in die südliche Innenstadt zu verbinden. So gesehen könnte das neue Zentrum der restlichen Innenstadt mehr Nach- als Vorteile bescheren.“

    Allerdings erkennen natürlich auch die Grünen, dass die Schuttberge hinterm Rathaus keine Dauerlösung sein können. Ihre Anregung: Man sollte zumindest prüfen, ob die Stadt das derzeit offenbar noch im Eigentum der ausgestiegenen Investorengemeinschaft Schumacher/Pieroth befindliche Terrain selber erwerben kann. Immerhin werde dessen Gestaltung das Innenstadtbild für viele Jahrzehnte prägen. In Zeiten des Haushaltssicherungskonzeptes sei ein solcher Erwerb nicht möglich gewesen. Mittelfristig rechnet die Stadt nun aber mit saftigen Haushaltsüberschüssen. „Da könnten sich neue Möglichkeiten auftun, etwa in Zusammenarbeit mit der städtischen Strukturförderungsgesellschaft ein eigenes Gestaltungs- und Vermarktungskonzept beispielsweise mit deutlich mehr Wohnnutzung zu entwickeln. Ein Konzept, das nicht wie die Ten-Brinke-Planung in der Denkart der 1980er-Jahre verhaftet ist und total auf maximale wirtschaftliche Rentabilität abzielt, sondern das sich an den Erfordernissen einer nachhaltigen, modernen Innenstadtplanung orientiert“, so Dietmar Widell.

    Gerade an diesem exponierten Standort dürfe nicht das Profitinteresse von Investoren der wichtigste Maßstab sein: „Was im Herzen der Stadt entsteht, sollte in erster Linie der Lebensqualität der Eschweiler Bürgerinnen und Bürger dienen. Und was unsere Stadt in dieser Hinsicht braucht, ist nicht noch ein Aldi, noch ein Netto, noch ein Edeka. Was wir wirklich brauchen, ist weniger Verkehr, bessere Luft, mehr guter Wohnraum für alle Schichten, eine bessere soziale Infrastruktur in der City und nicht zuletzt auch mehr Freiraum und mehr Grün.“

     

     

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