Rathaus-Quartier: Mehr Schaden als Nutzen für die Innenstadt

    Autor: Joachim Röhrig

    Die Stadtratsfraktion und der Ortsverband der Eschweiler Grünen betrachten die Planungen für das sogenannte "Rathaus-Quartier" nach wie vor mit großer Skepsis.

    Beitrag vom: 23.05.2019

     

    „Während andere Kommunen händeringend versuchen, den Autoverkehr in ihren Innenstädten zu reduzieren, holt sich Eschweiler einen zusätzlichen Pkw- und Lkw-Magneten mitten in die City – und dies, obwohl das Terrain wegen der schlechten Luft bereits als Umweltzone ausgewiesen ist. Ein Grundstück im Herzen der Innenstadt soll in ein Einkaufszentrum nebst schmucklosem Großparkplatz für Aldi, Netto & Co verwandelt werden. Alte Stadtbäume müssen einer Anlieferzufahrt für Lastwagen weichen. Die Chance, dringend benötigten zentralen Mietwohnraum zu schaffen, wird weitgehend vertan. Und über die negativen Folgen, die das neue Filialisten-EKZ hinterm Rathaus für den alteingesessen Einzelhandel in der  südlichen Innenstadt haben könnte, diskutiert man ebenso wenig wie über Fragen der Nachhaltigkeit, der Verkehrs- und Umweltverträglichkeit oder der städtebaulichen Qualität. Stattdessen rollen die Ratsmehrheit und die Verwaltung einem Baukonzern, dessen Planung vorrangig offensichtlich auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, den roten Teppich aus. Insbesondere die mutlosen Sozialdemokraten erstarren vor den als Drohkulissen aufgetürmten Ten-Brinke-Schuttbergen hinterm Rathaus. Freiwillig gibt die SPD alle Trümpfe aus der Hand und versucht erst gar nicht, in Verhandlungen mit dem Bauherrn etwas Besseres für die Menschen dieser Stadt herauszuholen. Kurzum: Das sogenannte Rathaus-Quartier – in Wirklichkeit wohl eher eine auf dem stadtplanerischen Denken von 1970 basierte City-Center-Neuauflage – ist kein Projekt, dem die Eschweiler Grünen ihre Unterstützung und ihre Stimmen geben können.“

    Mit klaren Worten verdeutlicht Ratsfraktionssprecher Dietmar Widell die Position der Eschweiler Grünen im laufenden Genehmigungsverfahren für das vom niederländischen Baukonzern Ten Brinke geplante sogenannte „Rathaus-Quartier“ auf dem ehemaligen City-Center-Gelände.

    Die Bezeichnung „Quartier“ hatte im Gegensatz zum jetzigen Vorhaben nach Auffassung der Grünen zumindest in Ansätzen die ursprüngliche Konzeption der inzwischen ausgestiegenen Kerpener Investoren verdient. „Doch davon ist kaum etwas übrig geblieben. Wohnen und öffentliches Leben spielt in der neuen Planung keine oder nur eine untergeordnete Rolle“, erklärt Widell, „wir bekommen vielmehr ein von Arztpraxen, Büros und einigen Wohnungen flankiertes Einkaufszentrum von der Stange. Dessen Gestaltung wird in erster Linie von der Forderung der als Ankermieter vorgesehenen Discounter nach möglichst vielen Parkplätzen geprägt. Die Ansiedlung eines Vollsortimenters begrüßen wir. Daneben aber noch zwei große Discounter anzusiedeln, lehnen wir allein schon mit Blick auf das zu erwartende Verkehrsaufkommen in dieser Innenstadtlage ab.“

    Es sei zu befürchten, dass der von den Grünen seit langem geforderte und inzwischen auch im Innenstadtkonzept angestrebte Rückbau der Indestraße auf zwei Spuren (plus Abbiegespuren) am Ende wieder als nicht mehr umsetzbar in den Akten bleibe.

    Auch das geplante Parkplatzkonzept stößt den Grünen übel auf. Hinterm Rathaus sollen die Kunden 90 Minuten kostenlos oberirdisch parken dürfen, nach Ablauf der Frist aber Knöllchen bekommen. „Einmal hin, alles drin“ laute hier offenbar der Slogan. „Das Konzept mit Vollsortimenter, Discountern, Drogeriemarkt, Kaufhaus und weiteren Shops läuft darauf hinaus, dass die Kunden hier in kurzer Zeit auf kurzem Weg ihren gesamten Einkauf erledigen können. Den Weg in die südliche Innenstadt können sie sich dann sparen, zumal die Parkzeit ja nicht einmal reicht, um nach dem Einkauf am Markt noch gemütlich einen Kaffee zu trinken. Zur Überquerung der Stadt-Autobahn reicht die Zeit erst recht nicht“, meinen die Grünen.

    Verärgert ist die Partei vor allem darüber, dass die Ratsmehrheit inzwischen praktisch alle Mittel aus der Hand gegeben hat, um mit dem Investor zumindest noch einige Nachbesserungen auszuhandeln. Zunächst wurden ihm großzügig diverse Abweichungen vom Bebauungsplan genehmigt. Und jüngst hat die Stadtratsmehrheit dem Baukonzern dann auch noch einige städtische Grundstücke verkauft, die er zur Umsetzung seiner Pläne braucht. Dafür hätte die Stadt nach Auffassung der Grünen nicht nur Geld, sondern auch Zugeständnisse bei der Planung verlangen können. Widell: „Aber hier in Eschweiler kriegen manche Investoren im Handumdrehen offenbar alles genau so genehmigt, wie sie es gern haben möchten – und von der Politik gleich auch noch die nötigen Grundstücke dazugeliefert. Und dies ohne ein Entgegenkommen bei anderen innerstädtischen Gestaltungsfragen. Beim ersten Investor war noch ein Stadtumbauvertrag vorgesehen.“

    Unter anderem ist beabsichtigt, einen Teil des kleinen Parks neben dem Rathaus zu einer Lkw-Zufahrt umzubauen. „Da werden einige Bäume fallen“, weiß Dietmar Widell, „das heißt: weniger  Sauerstofflieferanten, dafür aber mehr Dieselabgase in Eschweilers Umweltzone.“


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