"Verfahren stinkt zum Himmel"

    Die Eschweiler Grünen fordern von den KKR-Planern Transparenz und Bürgerbeteiligung bei der Frage, ob in Weisweiler ein großer Klärschlamm-Ofen gebaut werden soll.

    Beitrag vom: 01.11.2019

     

    Seit 65 Jahren wird im Weisweiler RWE-Kraftwerk Braunkohle verfeuert; seit über 20 Jahren wandern riesige Mengen Hausmüll aus nah und fern in die Öfen der benachbarten Müllverbrennungsanlage. Der Eschweiler Luft tut das nicht wirklich gut. Kommt nun trotzdem bald auch noch massenweise Klärschlamm aus dem gesamten südlichen Rheinland hinzu? Gut möglich. Denn von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt werden seit längerem Pläne für den Bau einer großen Klärschlammverbrennungsanlage geschmiedet.

    Nun soll bei der Standortfrage plötzlich alles ganz schnell gehen, und Weisweiler steht dabei offenbar weit oben der Liste. „So nicht!“, sagen die Eschweiler Grünen und fordern mit Nachdruck ein transparentes, ergebnisoffenes Planungsverfahren mit intensiver Information und Beteiligung der Eschweiler und vor allem der Weisweiler Bürgerinnen und Bürger.

    „Den Menschen im Osten unserer Stadt wird seit Jahrzehnten vieles zugemutet. Ihnen jetzt noch handstreichartig eine großindustrielle Anlage zur Trocknung und Verbrennung von Fäkalien vor die Haustür setzen zu wollen, ist ein Unding. Das Verfahren, wie es bisher gelaufen ist, stinkt förmlich zum Himmel“, ärgert sich Grünen-Fraktionssprecher Dietmar Widell, „wir fordern eine detaillierte Information und Beteiligung der Bürgerschaft, bevor irgendwelche konkreten Entscheidungen oder Vorentscheidungen getroffen werden.“

    Zum Hintergrund: Bisher werden die Reste aus den Kläranlagen in der Region zum Leidwesen von Umweltschutzexperten in diversen RWE-Braunkohlewerken mitverbrannt (ein geringer Teil schon jetzt auch in Weisweiler) oder aber als Dünger in der Landwirtschaft verwendet. Wegen des Kohleausstiegs und wegen verschärfter EU-Vorschriften zur dringend nötigen Verringerung der Ackerbodenbelastung durch Nitrate und Schwermetalle muss in wenigen Jahren jedoch eine andere Lösung her.

    Der Wasserverband Eifel-Rur, der Erftverband, die Städte Köln und Bonn und weitere Beteiligte haben deshalb die Klärschlamm-Kooperation Rheinland (KKR) gegründet – mit dem Ziel, den gesamten schadstoffbelasteten Schlamm aus dem südlichen Rheinland ab dem Jahr 2028 in einer zentralen Großanlage zu trocknen und zu verbrennen.

    Anlieferung per Lkw

    Es geht um jährlich insgesamt rund 360.000 Tonnen Feuchtschlamm, der mit Lastwagen zur Anlage gebracht, durch Trocknung auf etwa 90.000 Tonnen reduziert und dann verbrannt werden soll. 130 Millionen Euro will die KKR dafür investieren und auch einige Dutzend Arbeitsplätze schaffen. Zusätzliche sind Anlagen für ein neuartiges Plastik-Recycling auf Synthesegas-Basis und zur Phosphor-Rückgewinnung aus Klärschlamm im Gespräch.

    Aber wo soll der Schlamm-Ofen hin? Weisweiler ist wegen der Autobahnnähe sowie vorhandener Infrastruktur laut einem Zeitungsbericht neben einem Kölner Standort erste Wahl für die KKR. „Wir wussten, dass es solche Überlegungen gibt, und wir sind auch nicht grundsätzlich dagegen. Denn irgendwie muss der Klärschlamm ja entsorgt werden. Aber auch dezentrale Lösungen müssen, wie unser Bundestagsabgeordneter Oliver Krischer zu Recht fordert, geprüft werden“, betont Dietmar Widell.

    Vergangene Woche wollte die KRR beim Aufsichtsrat der AWA Entsorgung allerdings bereits verbindliche Zusagen für die Überlassung eines 30.000 Quadratmeter großen Grundstücks neben der MVA Weisweiler einholen. „Gut, dass der Aufsichtsrat dem zunächst einmal Riegel vorgeschoben und eine vorherige Diskussion im politischen Raum angemahnt hat“, so Widell. Vor allem aber möchte die KKR offenbar noch in diesem Jahr, also innerhalb weniger Wochen, eine endgültige Standort-Entscheidung herbeiführen. „Dabei hat sich bislang weder die Eschweiler Politik eingehend mit dem Thema befassen können, noch sind die Bürgerinnen und Bürger darüber informiert worden, was da möglicherweise an zusätzlichem Lkw-Verkehr, Gestank und Luftverschmutzung auf sie zukommen könnte.“


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