„Vollgasfanatiker und Beschleunigungsfetischisten: Das ist so ziemlich die einzige Gruppe, wo ich sagen würde: E-Auto passt nicht“, erklärte Hagen Schröter-Kolewa augenzwinkernd. Fast allen anderen Autofahrerinnen und Autofahrern legte der Wirtschafsingenieur, der sich beruflich seit über 30 Jahren mit Themen rund um effiziente Mobilität befasst, jedoch wärmstens ans Herz, beim nächsten Autokauf ernsthaft über den Umstieg vom Spritfresser auf den Stromer nachzudenken.
Schröter-Kolewa war jetzt der Gastreferent beim einen weiteren Vortragsabend der Eschweiler Grünen im Rahmen der Reihe „Fakten & Mythen“. Nach dem gelungenen Auftakt zum Thema Wärmepumpe ging es im Talbahnhof nun ums Elektro-Auto. Mehr als 30 Gäste waren bei der auch diesmal ausgesprochen informativen und spannenden Gesprächsrunde dabei und nahmen viele wertvolle Tipps des versierten Experten mit nach Hause.
Beruflich bedingt legt Schröter-Kolewa jährlich an die 40.000 Kilometer größtenteils auf der Autobahn zurück. Dafür steigt er schon seit einigen Jahren gern ins E-Auto. Aber auch die privaten Kurzstreckenfahrten in Eschweiler und Umgebung erledigt Schröter-Kolewa mit dem Stromer – weil dieser Antrieb nicht nur umweltschonender, sondern unterm Strich auch wirtschaftlicher und preisgünstiger sei.
Mythen entkräftet
Anderswo hat sich diese Erkenntnis schon weiter herumgesprochen als bei uns: 2024 waren in Norwegen fast 90 Prozent und in Dänemark mehr als 50 Prozent der neu zugelassenen Pkw bereits reine E-Autos. In Deutschland ist aktuell erst etwa jede dritte Neuzulassung ein Strom-Auto (Tendenz steigend).
Dass hier zu Lande manche Fahrer*innen noch Skepsis hegen, könnte an den weit verbreiteten Mythen und Vorurteilen liegen: Das E-Auto sei in der Anschaffung zu teuer, für Vielfahrer*innen ungeeignet oder ohne eigene Wallbox nicht wirtschaftlich, heißt es da oft. Auch sei die Reichweite zu gering, das Laden zu umständlich, das öffentliche Ladepunktenetz zu löchrig, der Akku zu kurzlebig, die Brandgefahr zu groß und und und…
Hagen Schröter-Kolewa konnte diese Vorbehalte weitgehend entkräften – faktenbasiert, mit aktuellen Statistiken und mit wissenschaftlichen Studien, aber auch dank eigener praktischer Erfahrung. Nachfolgend einige Beispiele. Weitere Argumente finden sich in der unten verlinkten ausführlichen Zusammenfassung des Vortrags.
E-Auto rechnet sich immer
Einen Schwerpunkt seines Vortrags legte Schröter-Kolewa auf den Wirtschaftlichkeitsvergleich. Zwar seien die Verbrenner im reinen Anschaffungspreis derzeit meist noch um einige Tausend Euro günstiger. So liege der elektrische VW ID.3 zurzeit bei rund 33.000 Euro, während ein vergleichbarer VW Golf-Verbrenner schon für ca. 29.000 Euro zu haben sei. Doch die Schere werde sich vor allem wegen sinkender Akku-Preise und trotzdem immer effizienteren Batterien zusehends schließen.
Ganz klar für den Stromer sprechen laut Schröter-Kolewa die deutlichen günstigeren Betriebskosten, insbesondere beim Verbrauch. Hier sind etwa beim Benziner VW T-Cross ca. neun Euro pro 100 Kilometer zu veranschlagen. Beim Hyundai Inster fallen an öffentlichen Schnellladestationen sieben Euro, bei der Nutzung von Haushaltsstrom fünf Euro und beim Laden mit eigenem Solarstrom sogar nur zwei Euro an.
Schon 2025, als Benzin und Diesel noch inzwischen traumhafte 1,60 bis 1,70 Euro pro Liter kosteten und der Strompreis bei rund 35 Cent pro Kilowattstunde lag, waren die gesamten Jahreskosten bei 12.000 Kilometer Fahrleistung für den Stromer im Schnitt nur rund halb so hoch wie bei den Verbrennern. Das gilt gleichermaßen für Fahrzeuge der Mittel- und Oberklasse wie auch für Kompakt- und Kleinwagen – und der Unterschied wird sich bei langfristig sich weiter steigenden Spritkosten noch deutlich vergrößern.
Auch Inspektionen, Reparaturen und weitere Nebenkosten sind beim Elektro-Auto unterm Strich günstiger: „Letztendlich rechnet sich das E-Auto immer, selbst beim Laden an öffentlichen Säulen und sogar ohne staatliche Förderung. Die Förderung kann man sich als Kirsche auf der Torte aber natürlich trotzdem gern mitnehmen.“ Eine reizvolle Alternative zum Neukauf seien dank der inzwischen sehr langlebigen Akkus mittlerweile gebrauchte Elektro-Autos, vor allem für Fahrer*innen, die den Wagen im Alltag meist nur für Kurzstrecken benötigen und deshalb keine großen Akku-Reichweiten brauchen.
Mobilität neu denken
Grundsätzlich empfahl Schröter-Kolewa den Zuhörenden, „Mobilität einfach mal neu zu denken“ und sich selber offen und ehrlich zu fragen, wofür das Auto im Alltag überhaupt gebraucht werde: „Man sollte dabei nicht für Extremfälle planen, sondern in erster Linie fürs tägliche Leben.“
Denn die meisten Fahrer*innen seien kaum mehr als rund 350 Kilometer wöchentlich auf Achse. Dafür reiche in der Regel eine einzige Aufladung, die man vielerorts schon während des Einkaufens im Supermarkt ganz nebenbei an der Schnellladesäule auf dem Kundenparkplatz erledigen könne. „Und brauche ich tatsächlich ein teures, schweres SUV? Oder reicht für meine Alltagszwecke nicht auch ein in der Anschaffung und im Verbrauch deutlich günstigerer elektrischer Kompaktwagen?“
Aber auch für Autobahn-Vielfahrer*innen könne das E-Auto eine gute Wahl sein, weiß er aus eigener Erfahrung: „Bei vernünftiger Fahrweise reicht mein Akku für zweieinhalb bis drei Stunden. Und dann folge ich dem Ratschlag des ADAC, mache 20 bis 30 Minuten Entspannungspause und lade in der Zeit die Batterie auf. Wenn ich dann noch die Möglichkeit habe, am Arbeitsplatz zu laden, bin ich auch als Vielfahrer gut versorgt.“
Aber was ist mit den ganz langen Fahrten in den Sommerurlaub? „Da kann muss man einfach mal rechnen“, riet Schröter-Kolewa, "oft lohnt es sich, für solche seltenen Ausnahmesituationen auf einen Mietwagen zu nehmen.“
Bessere Umweltbilanz
Einen Mythos konnte der Referent freilich nicht ganz von der Hand weisen: „Ja, es stimmt: Die Herstellung von E-Autos setzt vor allem wegen der Batteriefertigung mehr CO2 frei als die Produktion von Verbrennern. Dafür sind die Emissionen bei der Nutzung des E-Autos dann aber deutlich geringer. Schon nach zwei bis drei Jahren haben E-Autos den anfänglichen Nachteil wettgemacht. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet ist der Stromer auch fürs Klima deutlich im Vorteil, vor allem, wenn der Strommix stimmt: Je grüner der Strom, desto besser.“